LIFE IS BETTER
ANNA STÜDELI
Vernissage
9. April 2026, 18 Uhr
Ausstellungsdauer
10.04. – 13.05.2026
Für die Ausstellung Life is Better setzt sich Anna Stüdeli mit visueller Kultur sowie Medien-und Konsumästhetiken auseinander – ebenso wie mit ihrer eigenen Rolle in einer hochgradig kommerzialisierten Welt. Sie untersucht die Oberflächen globaler Werbeästhetiken sowie die visuellen Codes unterschiedlicher kultureller und nationaler Kontexte, analysiert, wie Bilder produziert, reproduziert und distribuiert werden, und macht deren Mechanismen sichtbar.
Seit über zehn Jahren eignet sich Stüdeli Werbebilder aus dem öffentlichen Raum an, fragmentiert, dekontextualisiert und inszeniert diese neu. In ihrem vorletzten Werkzyklus entstanden auf diese Art dreidimensionale Collagen auf originalen Plakatträgern. Neben Materialien wie Papier und Kleister reaktiviert sie Gesten, die im öffentlichen Raum beobachtbar sind – etwa Reißen, Überkleben oder Besprühen von Plakaten. So werden öffentliche Flächen zu Bühnen kollektiver Emotionen. Ihr neuester Werkzyklus You Are My Love, My Angel entstand nach der einer China-Reise 2025 und erweitert ihre bisher auf klassische Werbelandschaften konzentrierte Praxis um Konsumästhetiken im öffentlichen Raum. Stüdeli fotografierte beiläufige Szenen in Chinas Metropolen: Passant*innen auf der Straße, Kleidungsdetails, Accessoires, Slogans und unscheinbare visuelle Fragmente. Durch nachträgliches Heranzoomen werden Details sichtbar – z.B. Haarspangen mit „smile“ oder „barbie“, T-Shirts mit „THE UNIVERSE IS ON MY SIDE“ oder Socken mit „Choose Happy“. Hier beschäftigt sich Stüdeli mit der sogenannten „Cutesy“-Ästhetik – einer Bildsprache, die mit Positivitäts-Slogans, Niedlichkeit und Überaffirmation arbeitet. Sie zeigt, wie „Cuteness“ gesellschaftliche Härten in politisch und ökonomisch unsicheren Zeiten weichzeichnet und wie Konsumversprechen zugleich eine optimistische Scheinwelt entstehen lässt, die gesellschaftliche Härten überdeckt.
Darüber hinaus interessiert sie die geopolitische Dimension dieser visuellen Codes: In einer Zeit globaler Machtverschiebungen untersucht Stüdeli, wie China durch kulturelle Attraktivität, Lifestyle und modische Trends gezielt Soft Power aufbaut und sein internationales Image stärkt, indem es sich als moderne, zugängliche und begehrenswerte Macht positioniert. Im Zuge dieser Beobachtungen verlagerte sich Stüdelis Blick also weg von der Werbung als Bild oder Kampagne hin zu den Konsumgütern selbst und zu den Menschen, die sie tragen. Gerade in einem von Mode, Marken, Figuren und Slogans geprägten Umfeld wie China wird sichtbar, wie stark Werbebotschaften in den Alltag eingeschrieben sind. Die Träger der Ware werden zu ihren eigenen Werbeflächen; sie verkörpern und verbreiten Botschaften – nicht anstelle von Werbung, sondern als deren alltägliche Fortsetzung. Stüdeli erzeugt Bilder von Bildern, die die visuelle Konsumkultur im Alltag reflektieren. Beide Werkzyklen erkunden ähnliche Fragestellungen, jeweils mit unterschiedlicher Herangehensweise: Die Collagen auf Plakatträgern reagieren auf Gesten und Dynamiken im öffentlichen Raum, während der neue Zyklus alltägliche Konsumästhetiken, subtile Machtwirkungen und die transformative Kraft von Cutesy Culture untersucht.
