Watchlist II/2019Watchlist II/2019
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Stefan Krauth

"Watchlist II/2019"

Vernissage am 06. September um 18 Uhr
Saisoneröffnung der Galerien im Kontorhausviertel

07. September - 18. Oktober 2019

Die 15-teilige Fotoserie „Nature“ ist als Fortsetzung der Arbeit „In Amerika“ von 2014 entstanden, welche u.a. 2017 in der Ausstellung Portraits Hellerau im Hellerau – Europäischen Zentrum der Künste in Dresden gezeigt wurde. Im Rahmen dieser Gruppenausstellung hatte Krauth eine Soloausstellung bei Oberüber Karger, wo die Serie ausgestellt wurde.

Stefan Krauth unternimmt in seinen Bildern Reisen an Orte, die durch seinen Blick fremdartig entrückt erscheinen und damit in gewisser Weise oft auch ein Klischee des Exotischen bedienen, das wiederum– gerade weil es durch seine häufige Wiederholung in den Massenmedien abgenutzt erscheint – als Auslöser und Projektionsfläche wahrer Empfindungen dienen kann. Krauth zitiert diese künstlichen Sehnsuchtswelten, die durch kommerzielle Absichten und hohle Zuspitzungen korrumpiert sind. Es sind Fotografien, die das Fotografieren reflektieren. Ihre technischen Mittel haben eine doppelte Funktion, sie sind Medien der Illusion und kritisieren sich, noch während sie sich über die erreichte Täuschung freuen, selbst. Vielleicht eignen sie sich gerade deswegen so gut zur Navigation. Aber es sind die Verschiebungen in den Koordinaten, für die sich Krauth entscheidet, die ihn über die Grenzen der bekannten Welt hinausführen. Das Abenteuer liegt ganz dicht neben dem scheinbar Vertrauten, es bedarf nur einer Verschiebung des Blicks. Stefan Krauth fotografiert Fotografien, und zum Teil bestehen diese Fotografien aus mehreren Fotografien, die miteinander verbunden werden: eine Landschaft bekommt einen neuen Himmel, eine Figur wird in eine ihr fremde Umgebung versetzt. Manchmal erscheinen Bilder in Bildern, die auf dieFunktion von Bildern als Träger von Sehnsüchten verweisen, so beispielsweiseWerbeflächen oder ein Bild an der Wand eines Zimmers. Immer wieder nehmen Fensterdurch- und Landschaftsausblicke
die Funktion von Bildern im Bild ein.
Entscheidend für seine Arbeitsweise ist eine gewisse Unschärfe, die er durch verschiedene Mittel erreicht. Sie ergibt sich zumeinen dadurch, dass die Fotos von einem Bildschirm abfotografiert werden. [...]
Krauth komponiert seine Arbeiten unter Berücksichtigung von Farbabstufungen und Kontrasten, aber auch oft, indem er einzelne Farben zentral in Szene setzt und sie zu Protagonisten der Komposition macht. In einigen Arbeiten steigern sie sich und beginnen zu leuchten. In ihrer Intensität fordern sie eine Aufmerksamkeitwie die inszenierten Traumwelten der Werbung und der Unterhaltung mit ihren vorfabrizierten Abenteuern. Durch Krauths spezifische Bearbeitung ziehen sich die einzelnen Farbtöne jedoch zu einem Gesamtbild zusammen, in demeine kühle Grundstimmung dominiert. Sie resultiert aus dem fotografischen Prozess und sorgt wie dieser für Distanz. Das ist ein gewollter Abstand, der sowohl eine Sehnsucht auslöst, ihn zu überwinden, und zugleich als Verweis auf den medialen Entstehungsprozess der Arbeiten verstanden werden kann. (Holger Birkholz)