Tobias KöbschTobias Köbsch
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Tobias Köbsch

"S O G"

17. Oktober - 24. November 2015
Vernissage am 16. Oktober um 18 Uhr

So unterschiedlich Tobias Köbschs malerische und plastische Arbeiten auch erscheinen, thematisieren sie doch immer wieder dieselben Beobachtungen und Mechanismen: die Verschränkung von Medialität und Realität im gegenwärtigen Leben und daraus resultierend die Frage nach den Kernbestandteilen heutiger Identität und Weltgewissheit. Mit seiner fotografischen bzw. filmischen Bildästhetik spielt er, wie andere Künstlergenerationen vor ihm, mit dem Prinzip Illusionismus, dem trügerischen Wirklichkeitsanschein. Doch zielt die technische Brillanz seiner gemalten oder plastizierten Tableaus nie auf täuschende Verführung in imaginäre Welten, sondern auf eine kritische Momentaufnahme des aktuellen Verhältnisses von Bild- und Weltbewusstsein. Anders als die medienreflexive Malerei in den 1970er und 1980er Jahren interessiert Köbsch nicht der gemeinsam Abbildungscharakter von Fotografie, Film und Leinwandmalerei. Vielmehr versucht er die ästhetischen Codierungsformen, insbesondere die emotionalisierende Qualität aktueller Zeichenproduktion darzustellen. Auf den ersten Blick wirken seine Werke wie die eines Großmeisters der Katastrophe. Der Schauwert der dargestellten natürlich bedingten oder künstlich erzeugten Spektakel dient ihm jedoch dazu, den mythologischen Kern der aktuellen humanen Existenz sichtbar werden zu lassen. Angst und Schrecken sind zentrale Grunderfahrungen des menschlichen Daseins. Sie ordnen das persönliche und soziale Leben und werden folglich in einer total vernetzten Kommunikationsgesellschaft auch als aufmerksamkeitsbindende und sinnsetzende Instanzen genutzt. Die Frage, ob es sich bei den alltäglichen gesendeten Kriseninformationen um Wirklichkeit oder um Täuschungen, also um ntv oder um Hollywood handelt, spielt keine Rolle mehr, weil das Leben selbst einer medialen Choreografie zu gehorchen scheint. Deren ästhetische Programmstrukturwird in den Werken von Tobias Köbsch dekonstruiert.  Wenn er mit bedrohlichen Rissen und Schnitten in seinen Bildwelten arbeitet, so sind diese neben ihrem szenischen Charakter auch als analytische Werkzeuge zu verstehen, um das unter der gesellschaftlichen Oberfläche liegende Konflikt- und Gewaltpotential offenzulegen. In vergleichbarer Weise nutzt er Graffiti pieces doppeldeutig - sie zitieren einerseits die gegenwärtige von ästhetischer und symbolischer Aggressivität bestimmte Großstadtkultur, dienen andererseits aber auch als konzeptuelle Schriftelemente, mit denen innerhalb der dargestellten Bildorte etablierte soziale Bedeutungen in Frage gestellt werde. So gleichen seine unterschiedlichen Gemäldeserien und Skulpturengruppen der letzten Jahre einen verstörenden Panoptikum, das schlaglichtartige Einblicke in die kollektivpsychologische Grundverfassung der Gegenwartsgesellschaft ermöglicht.