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Lena von Gödeke

"Quasimodo"

26. September - 7. Februar
Vernissage am 26. September, 19.00 bis 21.00 Uhr


Berlin

Das Werk Lena von Gödekes ist geprägt durch eine Vielzahl von künstlerischen Techniken und deren Synthese. Der sprichwörtliche rote Faden ist hierbei ihr Verständnis von aktuellem Kunstgeschehen als Weiterführung kunsthistorischer Traditionen und der Fokus auf Technik und Material, die frei von zeitgenössischen Dogmen verwandt und verwandelt werden.

Von Zeitgenossenschaft zeugen innerhalb der Arbeiten häufig Strukturen, die innerhalb dieses oder des vergangenen Jahrhunderts aufgedeckt, oder wie auch die medialen und dinglichen Gegenstände, die erst in diesen Zeiträumen geschaffen wurden. Exemplarisch dafür stehen die Papierschnitte „Good Night And Good Luck“ oder auch „Eismeer“, die sich offensichtlich kunsthistorischer Vor-Bilder bedienen, hier Géricaults „Floß der Medusa“, und Caspar David Friedrichs gleichnamiges Gemälde. Diese Meisterwerke der Komposition und Farbe übersetzt v. Gödeke in einen Scherenschnitt.

Mit dem Scherenschnitt hat Lena von Gödeke ein lange unterschätztes traditionelles Medium wiederentdeckt, das sie mit Hilfe von Skalpell und moderner Grafik in das Hier und Jetzt der Gegenwartskunst transferiert. In der begrenzten binären Technik der Silhouette hat sie ein großes Spektrum an Möglichkeiten der Darstellung aufgetan, das sie durch ihre eigene Formensprache,  Ornamentik und urbane Ästhetik ergänzt und stetig zu erweitern sucht.

Trotz der zweidimensionalen Fragilität des Werkes entstehen durch geschickte Kontrastsetzungen kohärente Bildsysteme, deren kleinste Teile ebenso wichtig für den Zusammenhalt des Motivs sind wie die große Komposition, und die trotz der vorgegebenen Nichtfarbe der kunsthistorischen Vorlage mit Tiefenwirkung und Schattierungen gerecht werden. Dennoch sind die auf diesem Fundament geschaffenen Arbeiten weder anheimelnder Retro-Kitsch noch reine Hommage an ihre Vorgänger, sondern zeugen von erschreckender Aktualität.

Gerade aufgrund der Bekanntheit dieser kunstgeschichtlichen Zeugnisse gelingt es v. Gödeke, das eigentliche Bildmotiv in den Hintergrund treten zu lassen und durch eingebrachte Strukturen eine Neudeutung der Lesart für das Hier und Jetzt zu ermöglichen.

Ähnlich verhält es sich mit der Malerei Lena von Gödekes – oftmals apokalyptisch, endzeitlich anmutend sind diese Arbeiten. Aber ebenso wie die Papierschnitte sind sie nicht nur mit Pessimismus unserer Gesellschaft und Zeit gegenüber zu verstehen. Diese Szenarien sind Bühne und Repräsentationen von klassischen Bildthemen. Bühnen nach aller Erfahrung, von der Künstlerin für diesen Moment gesetzte Endpunkte mit dem Zweck, das (Nicht) Geschehen an sich in neuem Licht und losgelöst vom Alltäglichen zu behandeln.

Dies führt sie innerhalb ihres Werkes konsequent fort und verbindet diese unterschiedlichen Ausdrucksformen in bühnenhaften Installationen zu Repräsentationsräumen zwischen Damals und Morgen.

In ihrer Arbeit wird die Präsentationsform, hier die Vitrine als Schrein für naturwissenschaftliche  Artefakte -  nun selbst zum repräsentiertem Objekt, gemäß dem Mantra heutiger Tage: „The Stage is yours“. Sie lädt dazu ein, nicht nur die Verschmelzung zweier althergebrachter künstlicher, konservatorischer Phänomene zu sehen, sondern setzt sich in der Oberfläche über die metaphorische Ebene hinweg. Das Holz ist gemalt. Das Glas übernimmt die Aufgabe des hier leeren Displays. Das Sehenswerte befindet sich auf der Oberfläche. Echtheit muss in unserer schnelllebigen Zeit nur dem flüchtigen ersten Blick genügen, Blendung ist zum Lebensinhalt und Selbstzweck geworden, anhaltende Aufmerksamkeit zum teuersten Wert. Somit muss Zeuxis ein weiteres Mal getäuscht werden.