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Johannes Kersting

"Watchlist I/2016"

04. März - 01. April 2016
Vernissage am 03. März um 18 Uhr



Der Himmel mag ja anderswo blauer sein - sicher aber nicht monochromer. Durch die Refuktion zur Fläche verlieren er und andere Realobjekte augenblicklich ihre Gegenständlichkeit, Größe und wechselseitigen Bezüge. Nach außen ohne Kontext, nach innen mehr Komposition als Körper büßen die Gegenstände auch ihre Inhaltlichkeit ein und bleiben zunächst als Farbfläche zurück. Hat man Gelegenheit Johannes Kersting bei seinen Aufnahmen beizuwohnen, so muss man sich stets rückversichern, ob die abgebildete Szene auch wirklich am aktuellen Standort zu finden ist. Die Wirklichkeit der Aufnahme und die Wirklichkeit in der Aufnahme - das ist die Gratwanderung zwischen Dokumentation und Konstruktion,die sich in Kerstings Bildern ereignet. Kersting fühlt sich dabei keiner Seite verpflichtet, sondern erkundet vielmehr Mittel und Methoden, die für beide Bereiche den Ausschlag geben können. Tatsächlich dokumentieren manche Bilder auch die Freude an der kontrollierten Ambivalenz, etwa wenn wieder einmal alle Referenzen und Maßstäbe ausgeknipst werden konnten, aber die sachliche Gliederung eine leichte Lesbarkeit suggeriert, oder andersherum, wenn ein kleiner Vogel das sublime geometrische Ensemble aufbricht und es durch seine bloße Anwesenheit mit Größenverhältnissen, Räumlichkeit und Faktizität versorgt. Neben einem solchen Augenzwinkern findet sich aber auch die ehrliche und ruhige Faszination vor der schieren Auflösbarkeit der Realität in reine Komposition und Ordnung. Hier erübrigt sich dann auch die Frage nach dem Abgebildeten.